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Türkei

Mittlerweile sind wir schon in Georgien. Zeit über die Türkei Resumee zu ziehen und noch ein paar Eindrücke mit euch zu teilen.

Ich war sehr gespannt auf die Türkei.

Los ging es, wie bereits geschildert, in Istanbul. Ich fand die Stimmung und das Auftreten aller Menschen aus unserer europäischen Sicht sehr modern. Hier und da ein Kopftuch oder auch mal jemand ganz verschleiert aber nicht viel. Eigentlich so wie in Köln an manchen Ecken.

Die Gegend hinter Istanbul, von Landschaft war kaum noch was zu sehen, war zunächst grauselig. Die Luft war durch zahlreiche Industrie gelb gefärbt, sodass einem die Augen tränten. Das ist aber wohl der Preis einer Stadt mit über 14 Mio. Einwohnern.

Der erste Abschnitt vom Landesinneren zum Schwarzen Meer und am Meer selber war geprägt durch den Anbau von Haselnüssen. Jeder Hang von oben bis unten voll mit Haselnusssträuchern.

DSC_4875.jpgDas türkische Nutella „Pinok“ Haselnusscreme ohne Nugat haben wir schnell für unseren Nachtischmagen entdeckt. Vor der Ausreise nach Georgien hat Lukas uns noch in weiser Voraussicht mit fünf Gläsern abgesichert.

Die ersten Urlaubsgebiete am schwarzen Meer konnten sich eher durch Müll und Leerstand und damit Verfall (offensichtlich auch während der Hochsaison) auszeichnen, nicht so schön! Danach folgten allerdings tolle Steilküsten, die Urlaubsgebiete gingen zurück und es wurde immer ländlicher.

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Mit der zunehmenden „Ländlichkeit“ verschwanden wortwörtlich die Frauen von den Straßen. Wenn wir einkaufen wollten und in ein Dorf reinfuhren, saßen dort mehrere Dutzend Männer jeglichen Alters. Frauen, die wie die Männer draußen sitzen und Kaffee oder Tee trinken, haben wir nie gesehen. Wenn wir mal eine Frau ausnahmsweise auf der Straße gesehen haben, dann Ü60, vermutlich Witwe und mit Kopftuch offensichtlich vom Einkaufen kommend oder gehend.

Ich bin immer seltener ausgestiegen. Ich fühlte mich irgendwie unwohl. Mehrere Dutzend Männer, die einen anstarren. Das Gefühl nicht richtig gekleidet zu sein aber auch die Unlust Kopftuch oder ähnliches zu tragen. Dazu kam, dass wenn wir (bzw. Lukas) mit Einheimischen ins Gespräch kamen, nie mit mir geredet wurde, geschweige denn wurde mir zum Abschied, wie Lukas, die Hand gegeben.

Jetzt kommt einer dieser „Aber“-Sätze… Ich bin nämlich der Meinung, dass man sich als Fremder in einem Land anpasst ABER nicht verbiegt! Meine Kleidung hat alles „aufreizende“ verdeckt und war nicht eng anliegend sowie lang. Das sollte reichen! Trotzdem war mir die Aufmerksamkeit zu viel. Zunächst war dies nur so ein Gefühl, was ich nicht greifen konnte. Dann trafen wir ein Pärchen aus der Slowakei, die seit drei Jahren mit dem Rad um die Welt fahren und nun auf dem Weg zurück in die Heimat sind. Einige ihrer Äußerungen und Erzählungen machten deutlich, dass besonders sie die Schnauze von dieser indirekten Unterdrückung der Frau voll hatte.

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Den Höhepunkt diesbezüglich erlebten wir eines Abends. Gerne suchen wir unsere Standplätze an einem Fluss oder Bach. So auch an diesem Abend. Ein wilder Fluss gespeist von zwei ineinander laufenden Bächen, gequert von einer malerischen Brücke. Ein sehr schöner Platz. Dort hielten sich auch Einheimische auf, um den Abend zu genießen. Ein Truppe junger Männer, die dort grillten, war sehr kontaktfreudig und interessiert daran, sich mit Lukas zu verständigen, was aber mangels einer gemeinsamen Sprache sehr schwierig war. Ein paar Meter weiter hatte sich eine Familie niedergelassen. Vater und Sohn waren auch sehr kontaktfreudig, allerdings wieder das übliche Problem. Keine gemeinsame Sprache. Die dazugehörige Frau und Mutter war komplett verschleiert und schien Lukas sehr gut zu verstehen. Sie übersetzte ihrem Mann quasi simultan was er auf Englisch sagte, durfte Lukas aber offensichtlich nicht antworten. Sie schauten sich unsere Website an. Der Vater sah den Beitrag über Ostern in Serbien, schaute Lukas nach einem Blick auf das Titelbild mit dem Spanferkel nur entsetzt an und sagte laut „Haram“ (unter religiösen Gesichtspunkten verboten / verflucht). Lukas „Ne, lecker!“, fand er auch nicht witzig.

Irgendwann kamen die Frauen begleitet von dem ca. 9 jährigen Sohn zu mir ans Auto Baby gucken. Mit mir hat die verschleierte Frau dann flüssig auf Englisch über alles Mögliche geredet. Sie wurde lediglich mehrmals von ihrem Söhnchen unterbrochen, der das Gespräch offensichtlich an sich reißen wollte. Er hatte wohl jetzt die Männer- oder Aufpasserrolle für seine Mutter, Großmutter und Schwestern übernommen. Seine Mutter beachtete ihn jedoch in keiner Weise. Sie baten mich ein Bild von mir und Lisanne mit ihnen machen zu dürfen. Kein Problem. Ich wollte dann auch gerne ein Bild von uns zusammen machen. Das war ok aber ohne die verschleierte Frau. Großmutter war ok.

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Lukas kam dann mit den Männern näher. Wohl ein Fehler. Der Vater der Familie sah das Posieren für die Fotos und daraufhin wurde das Zusammentreffen sehr schnell von ihm beendet. Schade!!

Diese offensichtlich intelligente und gebildete Frau darf mit Sicherheit keinerlei wichtige Rolle außerhalb der Familie spielen, geschweige denn einem Beruf nachgehen der ihren Möglichkeiten gerecht würde.

Uns stellt sich da die Frage: Kann es sich eine modere Gesellschaft leisten auf das Potenzial eines Teils seiner Mitglieder/innen auf diese Art zu verzichten???

…übrigens war dieses Phänomen regional sehr unterschiedlich ausgeprägt. Zur georgischen Grenze hin z. B. wurden die Kopftücher und Schleier wieder deutlich seltener. Im Straßenbild sah man Männer und zum gleichen Teil Frauen. Die Frauen trugen überwiegend ganz „übliche“ Kleidung und die jungen Mädchen waren genau so modebewusst und „aufreizend“ gekleidet wie bei uns.

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Das Kopftuch an sich mag keine Unterdrückung darstellen. Aus diesem Grund haben wir „üblich“ und „aufreizend“ im letzten Absatz auch in Gänsefüßchen geschrieben, denn dies ist ja nur unser empfinden von „normal“, aber jemanden die Kommunikation mit anderen Menschen zu verbieten beziehungsweise kontrollieren zu wollen, geht unserer Ansicht nach zu weit.

Die Natur vom Inland zurück zur Schwarzmeerküste, wo wir die Grenze nach Georgien überquert haben, war sehr beeindruckend. Die nächtliche Stille an unseren Standplätzen war unbeschreiblich und wurde nur vom Rufen des Muezzins oder von jaulenden Wölfen unterbrochen.

Diese Aufnahme ist in Istanbul entstanden. Da wir unten am Ufer unterhalb der blauen Moschee standen, haben sich die Rufe mehrerer Muezzine beziehungsweise Moscheen überlagert.

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Lukas & Nathi

8 Kommentare

  1. Henrike Henrike

    Interessante Berichte und sehr schoene Photos! Wenn ich hier so ueber Schlagloch durchsaete Strassen fahre, kann ich von Asphalt wie in dem vorletzten Photo nur traeumen….Kauft Ihr Euch Strassenkarten vor Ort, oder last Ihr Euch vom Zufall / SatNav (?) leiten? Ebenso, wie schaetzt man denn ab, wann man wieder tanken kann? Euch allen weiterhin eine gute Fahrt! Herzlich, Henrike

    • Lukimog Lukimog

      Hallo Henrike, mit dem Sprit war in der Türkei kein Problem. Außerdem haben wir 500 Liter Kapazität. In der Mongolei gab es damals nur an Tankstellen in größeren „Städten“ Diesel. In einem solchen Fall muss man bei jeder Gelegenheit volltanken oder ggf. eine solche „Stadt“ ansteuern.

      Bezüglich Navigation: Wir sind noch Fans von richtigen Karten!

  2. Aleksey Aleksey

    Hello, we see you in Pyatigorsk today!

    Success and good luck 4 you!

    From Russia, with love (:

    • Lukimog Lukimog

      Thanks, we’ve got some Schaschlik in Pyatigorsk. Nice and cosy town 😉

  3. Bine &Heiner Bine &Heiner

    Lieber Lukas !!! Heute ist der 3.Mai und ich kann mich noch gut erinnern wie es mit Dir schon damals mit einem Chaos losging . Wir ,Heiner und ich , waren einen Tag vorher angereist um Antje zu unterstützen .–Antje bekam Wehen ,wir sind immer noch am 3.Mai . wir also mit ihr in eine etwas wunderlich eingerichtete Geburtsklinik Wir alle drei in den Kreissaal .wo Harald war ,weiss ich nicht mehr .Wahrscheinlich „behindert „. Jedenfalls lag im Kreissaal unter sonderlicher Gerätschaft auch eine
    riesige Werkzeugzange .nicht unbedingt für eine Entbindung gedacht .wir waren
    die ganze Zeit schon allein im Kreissaal und furchtbar albern und mussten über alles lachen ,Ante auch .
    Also ,Heiner zog sich einen weissen Kittel über und nahm sich die Zange und ging
    damit auf Antje los .Antje hat so gelacht,dass die Wehen aufhörten und wir samt Antje und dickem Bauch wieder nachhause geschickt wurden .Am nächsten Tag ,dem 4 Mai
    das Spiel noch einmal und da bist du dann auch auf die Welt gekommen.
    Und deshalb wissen wir auch warum Du so bist wie du bist .alles Gute und kommt alle heil wieder .BINE &HEINER

    • Lukimog Lukimog

      Oh Bine! So schön ? hast recht, da hat er viel von abbekommen!!
      Kuchen ist schon fertig für morgen, hab mal was ausprobiert mit georgischen Limonen. Sieht aus und riecht seltsam…aber mal sehen :-))

  4. Cornelius Cornelius

    Alles Liebe zum Geburtstag! 29! Tolles Alter!

  5. Ulla Brehm Ulla Brehm

    Hi Lukas, zuerst Dir mal meinen herzlichen Glückwunsch, den ich in der Frühe schon als SMS los gesandt habe!..! Bleibe gesund und lass es heute „krachen“, vom Hören sagen weiß ich, dass Du „einen Wein“ mitschleppst! Heute ist der Tag! Eure Fotos sind so wunderbar, traumhafte Landschaften und ein lebendiger kleiner Sonnenschein! ! Das Phänomen der „zurück gesetzten Frauen“ dachte ich eigentlich, dass es sich weitestgehend erledigt hätte; denn genau das habe ich zwischen 1968-72 schon auf Euböa in Griechenland erlebt. Sie waren gerne gesehen und absolut nötig, wenn es darum ging zu kochen, putzen , waschen und naja: Kinder bekommen! Bei allen anderen schönen Dingen im Leben waren sie absolut unerwünscht!, z.B. standen sie abends hinter den Hecken und beobachteten das Treiben ihrer Ehemänner und der vielen Touristen in den Cafenions. In den Städten sah ich wunderschöne Frauen, schon damals extrem chic gekleidet! Das Problem der Anerkennung bzw. Gleichstellung der Frau ist also in den Köpfen noch weit verbreitet und nur in den Zentren ein wenig egalisiert.
    Danke für das Skypen gestern; Dir, Natty, Lisanne und Binti einen herrlichen Tag mit Geburtstagsmenue,, gute Weiterfahrt, alles Liebe und Gute, Ulla, Oma, Uri (Uhu)

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