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Grenzerfahrungen

Als Europäer kennen wir quasi keine Grenzkontrollen mehr, fährt man beispielsweise von Deutschland nach Holland merkt man das ja kaum noch.

Wir merken das hier auf unserer Tour noch wirklich.

Der Grenzübertritt von der Türkei nach Georgien am Grenzübergang „Sarpi“ an der M2/ E97 war auch mal wieder so ein Kapitel für sich. Der LKW- Stau bereits vor der Grenze ließ böses erahnen, aber der türkische Grenzbeamte war mäßig an uns, dem Auto und den Papieren interessiert. Dafür umso mehr an Lisanne. Mehrere Grenzbeamte und Beamtinnen haben nacheinander Selfies mit Lisanne gemacht. Der Lukimog wurde auch ohne murren auf der PKW Spur geduldet.DSC_5112

Die Einreise nach Georgien war dann schon wieder etwas nervenaufreibender. In stop and go Geschwindigkeit passierten wir ganz langsam das hier an den Grenzen übliche „Niemandsland“ zwischen den Staaten. Lisanne hatte lang genug in ihrem Kindersitz gesessen und ich fand es war Zeit für eine Abwechslung, also setzte ich sie ins Lenkrad. Das hat einen georgischen Grenzbeamten veranlasst mir 500 Lari (umgerechnet sind das rund 165 €) Strafe aufbrummen zu wollen. Ich habe ihm wohl deutlich gemacht, dass er nicht so problemlos an mein Geld kommen würde, ich eine Quittung dafür haben wollte und sowieso nur mit Karte zahlen würde. Daraufhin wollte er unser Auto genauer inspizieren, soll er machen, wenn er Spaß dran hat. Der Spaß ist ihm recht schnell vergangen. Die nächste Chance mir Probleme bei der Einreise machen zu können sah er bei der obligatorischen Eintragung des Lukimog in meinen Pass. Meine bisher erfolgreichste Strategie in derartigen fällen ist dem Gegenüber möglichst schnell klar zu machen, dass ich wesentlich mehr Zeit habe als er und ich sowieso nichts von dem verstehe was er redet, auch wenn er noch so viele Sprachen beherrscht. Auch in diesem Fall war meine Strategie von Erfolg gekrönt. Irgendwann waren sogar mehrere Zollbeamte mit meinem Fall beschäftigt und schlussendlich konnten wir auch diese Grenze passieren.

Die nächste Grenzerfahrung von Georgien nach Russland war auch recht speziell. Die Ausreise aus Georgien war unproblematisch. Es hat nur ein bisschen gedauert, bis ich kapiert habe, dass der Zollbeamte noch den Beleg sehen wollte, dass ich bei der Einreise nach Georgien die vorgeschriebene Haftpflichtversicherung abgeschlossen habe. Ein bisschen konnte man allerdings das recht frostige georgisch russische Verhältnis erahnen. Zwischen der Ausreise aus Georgien und der Einreise nach Russland lagen gut 5 Kilometer „Niemandsland“ mit militärischen Absperrungen rechts und links der Straße, absolutes Haltverbot und ich fühlte mich, vermutlich zu recht, irgendwie die ganze Strecke über beobachtet. Die Einreise nach Russland hat ein bisschen was von dem Gewese damals an der Deutsch-Deutschen Grenze. Als erstes braucht man ja ein Visum. Wir haben ein „Geschäfts- Visum“ mit zweifacher Einreise, Aufenthaltsdauer 90 Tage. Das ist so ziemlich das Maximum was man ohne riesigen Aufwand zu betreiben bekommen kann. Dann muss jeder einen Zettel in doppelter Ausführung ausfüllen. Der eine verbleibt bei der Grenzstelle der Einreise den anderen muss man stets im Pass mit sich führen, den behält dann die Grenzstelle der Ausreise. Außerdem muss man für das Kraftfahrzeug bei der Einreise ein Formular ausfüllen. Von diesem Formular gibt es zwar eine Übersetzung ins englische, aber selbst Nathi mit ihren Grundkenntnissen in russisch konnte schon feststellen, daß da einige Übersetzungsfehler vorhanden sind. Also was ich da ausgefüllt und letztendlich auch unterschrieben habe weiß ich nicht so genau. Obendrein wird das Kraftfahrzeug in den Pass des Halters/Fahrers eingetragen. So wird verhindert, dass das Fahrzeug ohne Einfuhrzoll zu entrichten in Russland verbleibt.

An dem Zoll- „Büdchen“ wo man dieses Formular abgeben muss war gerade zu allem Überfluss Schichtwechsel und das Völkchen was sich da so an den Grenzen sammelt , es sind nur Männer, sind allesamt Weltmeister im Vordrängeln. Nach ca. 1,5 Stunden des Wartens war meine Geduld am Ende und ich habe das Büdchen blockiert und den wartenden und dem Grenzbeamten klar gemacht, dass ich der nächste bin der dran ist. Wenig später war auch das mit diesem Formular erledigt, ich hatte meinen Stempel im Pass und wir konnten an einer letzten Kontrolle vorbei nach Russland einreisen.

Für mich stellt sich mal wieder die Frage warum die Menschheit derartig viel Energie in Abschottung und Abgrenzung zum Nachbarn/Nachbarvolk investiert.

LKW Fahrer stehen an solchen Grenzen mal locker eben 20-30 Stunden, alle 15 Minuten 10 Meter weiter fahren. Bis die über eine solche Grenze rüber sind, sind die psychisch und physisch fertig mit der Welt. Da kann man hinterm Steuer eigentlich nur noch einschlafen.

Gerade in Staaten mit hoher Korruptions- Rate ist es für große Teile des Militärs, Zolls und der Polizei eine gute Einnahmequelle eine solche Grenze zu „betreiben“.

Grenzen werden uns also in vielen Teilen der Welt bestimmt noch lange erhalten bleiben.

Lukas

Ein Kommentar

  1. Ulla Brehm Ulla Brehm

    Hallo Lukas, Danke wieder einmal für diese realistische Schilderung der Erfahrungen an den jeweiligen Grenzübergängen. Ich freue mich für Euch, dass das Wunderba-re, das Ihr im jeweiligen Landesinnern seht, diese Schwierigkeiten schnell vergessen macht! Passt auf Euch auf , bleibt gesund, wo seid Ihr inzwischen? Alles Liebe und Gute, Ulla, Oma, Uri (Uhu)

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