Zum Inhalt springen

Vom Altai vor die Tore der Republik Tuwa

Wir verbrachten im russischen Altai noch ein paar wunderschöne Tage. Unter anderem mit einer Berliner Familie und ihrem alten Mercedes „Lottchen“.

Während es für die Berliner auch weiter in die Mongolei ging, wollten wir von Aktasch in die Berge am liebsten bis zum See Telezkoye fahren. Ursprünglich planten wir vom Altai von Kosch Agasch (Кош-Агач) über Kyzyl Khaja (Кызыл-Хая) nach Mugur Aksy (Мугур Аксы) in die Nachbarrepublik Tuwa zu fahren. Jedoch erhielten wir keine Infos über das aufgrund der Nähe zur mongolischen Grenze benötigte Permit und die Strecke soll abschnittsweise sehr sumpfig sein. Da der Lukimog sich aufgrund seines Gewichts gerne hinten eingräbt, liesen wir das lieber bleiben. (Manche fahren ohne Permit und die Strafen sind angeblich mit 500 Rubel gering. Die beste Methode ist aber wohl über die FSB-Seite (http://www.fsb.ru/fsb/gosuslugi/detail.htm%21id%3D40%40fsbService.html) je einen Antrag für das Permit für Altai und Tuwa an die zuständigen Stellen per Mail zu schicken. Dies muss mindestens zwei Monate im Voraus geschehen. Die Permits liegen dann an den Kontrollpunkten der Border Police auf Seite des Altais in Aktasch und es wir keine Gebühr verlangt. Für diese Vorgehensweise kann ich keine Garantie geben, da ich mich jedoch lange damit beschäftigt habe, wollte ich die Vorgehensweise für Interessierte hier vorstellen.)

Für uns ging es also hoch Richtung Telezkoye. Nach einem kleinen Pass erreichten wir eine Hochebene mit vielen Seen. Die Gegend ist sehr touristisch, russischer Inlandstourismus, aber wir fanden einen einsamen See an dem wir die Boote auspacken konnten. Alles erinnerte landschaftlich sehr an Skandinavien außer das es im europäischen Norden kein Schamanismus / Buddhismus gibt. Dafür gibt es im europäischen Norden noch Fisch. Hier waren alle Seen aufgrund zahlreicher Stellnetze leer.

Der Kühler hatte den vielen Schmetterlingen, von denen wir im letzten Bericht erzählt haben, seinen Tribut gezollt und das Kühlwasser kochte, denn der Kühlergrill war völlig dicht. Nach einer kompletten Reinigung des Grills, lief die Kühlung wieder besser aber die Temperaturanzeige des Kühlers spielte Lukas einen Streich. Immer wieder erreichte der Lukimog Temperaturen oberhalb 120 Grad. Gar nicht gut. Bei der Fehlersuche bestätigte der Ausbau des Ventils und Funktionstest im Kochtopf, dass das Ventil korrekt arbeitet. Also gingen wir davon aus, dass die Pumpe defekt war. Wir entschieden uns gegen eine Weiterfahrt Richtung Telezkoye und für eine Fahrt nach Barnaul. Von einem anderen Overlander (Norbert, www.zentralasienreise.jimdo.com) hatten wir die Kontaktdaten eines jungen, fließend Deutsch sprechenden Russen bekommen, Alexander.

Alexander war genau der Richtige für uns und wir wollten das vermeintliche „Pumpenproblem“ gleich mit der Beschaffung neuer Reifen verbinden. In Barnaul wurde die Pumpe einige Tage später ausgebaut und eine neue chinesische eingebaut. Ein Defekt an der alten Pumpe konnte nicht festgestellt werden. Einige Tage später haben wir die Temperatur am Kühler immer mal, wieder von außen gemessen und siehe da, die angezeigte Temperatur lag immer mindestens um die 20 Grad oberhalb der tatsächlichen. Wahrscheinlich ist der Temperatursensor kaputt gegangen als das Wasser aufgrund des dichten Kühlers einmal tatsächlich gekocht hatte. Und wir hatten einfach etwas Paranoia.

Aber unser Abstecher nach Barnaul hatte auch etwas Gutes. Eigentlich planten wir über den Ob mit einer LKW Fähre von Tomsk nach Surgut in den Norden zu fahren. Auch Barnaul liegt am Ob und die Mückenbelastung dort hat keinen Spaß mehr gemacht. Einmal fragte ich ein paar Polizisten, die wahrscheinlich komplett mit Mückenspray eingesprüht waren, nach einem netten Restaurant in Barnaul und kassierte dabei mitten in der Stadt am helllichten Tag 50 (!) Mückenstiche.

Alexander sagte uns dazu in Barnaul herrscht 8 Monate sibirischer Winter mit Temperaturen bis zu -35 Grad. Nur vier Monate sind schön warm aber in zwei der vier Monate leben in Barnaul so viele Mücken, dass man dann auch nicht raus gehen mag. Zumindest nicht ohne Mückenspray.

Wir entschieden uns also dafür nach einem Besuch in der Republik Tuwa nach vier Jahren nochmal zum Baikalsee zu fahren. Juchuu!! Dafür strichen wir den Plan den Ob hinauf zu tuckern. Die neuen Reifen holen wir auf dem Rückweg vom Baikalsee ab, da wir sonst noch was hätten warten müssen und das ist in Barnaul nicht so schön zu dieser Zeit…summ summ summ…

Seit ich irgendwann einmal einen Bericht über den Jenissei (https://m.youtube.com/watch?v=dUwBYmLTFYc) gesehen habe, ist ein Traum von mir einmal über einen der großen Flüsse Russlands zu fahren. Jenissei, Lena, Wolga, Ob, … egal. Hauptsache, die in dem Bericht übermittelte russische Seele spüren. Aus diesem Grund war ich etwas traurig die Fahrt über den Ob abzublasen. Auf dem Weg nach Tuwa jedoch hielten wir uns weit entfernt von dem „Sibir Highway“ und fuhren kreuz und quer über das Land, um Städte wie Krasnoyarsk machten wir einen großen Bogen. Vorbei gekommen sind wir auch an schönen warmen Badeseen an denen die Russen ihre Wochenenden verbringen. Russland pur!

Am Fluss Abakan.

Weltuntergangsstimmung und eine kurze Zeit später, strahlender Sonnenschein und Badewetter.

Ein russischer „Kurort“. Die Touristenattraktionen, wie lebende Schildkröten in ihren kleinen Gefängnissen, sind etwas gewöhnungsbedürftig.Hügelgräber in den sehr an die Mongolei erinnernden schier unendlich weiten Ebenen.Eier, Milch, Sauerrahm und Hüttenkäse bekommt man am besten direkt in den Dörfern.

Zwischendurch erfrischender Regen und Gewitter. Bintis Fellunterhose war nicht nur einmal voll.

Wenn wir von den Russen gefragt werden wohin wir fahren, sind sie immer total irritiert. Sie verstehen nicht warum wir über das Land tuckern und nicht den Highway nehmen. Nicht nur aus diesem Grund sind wir hier extrem exotisch. Offensichtlich kommt hier sonst nie ein Tourist lang. Super!!

Bei diesem Imker kauften wir neuen Honig. Er wollte uns noch Honigmet verkaufen. Wenn wir davon trinken, können wir auch gut schlafen, sagte er. Meinen Einwand, ich würde noch stillen und kann deswegen kein Alkohol trinken, quittierte er mit den Worten: „Ja und? Dann schläft das Baby auch gut!“

Übrigens die Mücken haben wir auch wieder hinter uns gelassen.

Wir haben bei unserem Reiseveranstalter zwar Internet inklusive gebucht, damit wir regelmäßig was veröffentlichen können aber bei den schönen Standplätzen war dies in der letzten Zeit eher Mangelware. Eventuell muss sich da jemand auf einen Prozess einstellen…

Nathi

10 Kommentare

  1. Klaus Klaus

    Hallo liebe Lokimogˋs,
    endlich gibt es wieder einen schönen und interresanten Bericht von Euch.
    Auch die vielen schönen Bilder bringt uns das große Russland und Ihre Menschen wieder ein Stück näher. Weiterhin viele nette Menschen und neue Eindrücke auf Eurer Reise, wir vermissen Euch.???
    Pa
    P.S. War die Wasserpumpe denn nun kaputt, oder nicht??

    • Lukimog Lukimog

      Nein, wir vermuten, dass es nur das Thermostat ist. Hat wohl ein Schlag weg von dem einmaligen tatsächlichen Überhitzen. Wir lassen uns ein neues mit nach Irkutsk bringen.

  2. Ulla Brehm Ulla Brehm

    Hallo Nathi, Lukas, Lisanne und wau wau Binti!
    Nathi, wie freue ich mich, dass ich wieder (endlich) von Euch lesen darf!!! Danke! Auch in diesem Bericht schilderst Du wieder sehr eindrucksvoll was Ihr so erlebt, welchen Menschen Ihr begegnet! Schade, dass immer wieder ein kleines oder größeres Handicap (am Lukimog) Euch in Irritationen versetzt, wie gut wenn man nicht nur den Fahrer, den Koch , sondern auch den Techniker an Bord hat!…
    Da ist dann das Geben und Nehmen mit Alexander und Lukas sowie Dir Nathi, ein fachliches Spiel auf höchstem Niveau!!!! Für uns ist wichtig, dass Ihr gesund und wohlauf seid und weiterhin viel Freude an dem herrlichen Land und vor allem den Menschen habt! Und da mich das alles sehr tief beeindruckt, was Du da schreibst, habe ich heute nochmals gaaaanz tief in unserem Familien- bzw. -Ahnenstammbaum geschaut, meine Ururahnen kommen aus Tirschenreuth, Franken; hinzu kommt ein bissel Thüringen, mehr Osten ist nicht drin! Soviel zur mütterlichen Seite der russischen Seele, die Dir offensichtlich sehr nahe ist, was ich sehr gut verstehen kann! Die Filme, die ich bisher über Russland sah, sowie Eure Erzählungen der Reisen, die Ihr schon zum Baikalsee gemacht habt, waren sehr einfühlsam und die Seele ansprechend!
    Die Fotos, die Ihr einstellt, sie sind traumhaft, eine Landschaft, die sehr vielschichtig ist aber vor allem sehr beruhigend wirkt! Und das strahlt Ihr auf Euren Bildern und in Euren Berichten auch aus!
    Ich freue mich mit und für Euch, dass Lisanne mit ihrem Sprung in Eure Zweisamkeit, Euch zu diesem Halbjahres- Abenteuer bewogen hat, obgleich ich als Oma , Uri und Ulla (und überhaupt wir alle) Euch sehr vermissen! Umso schöner wenn urplötzlich Kommentare von Euch in der Familien App-Unterhaltung bei WA auftauchen…..
    Genießt die kommenden Wochen mit und ohne Besuch! Vor allem: mit ganz viel weiteren wunderbaren Eindrücken. Ich freue mich schon auf den nächsten Bericht!!!! Alles Liebe und Gute, bleibt gesund, Bussi und wauwau Ulla, Oma, Uri (Uhu)

  3. Marcus Sauer Marcus Sauer

    Hey ihr 2, 3…… 3+ (also 4 mit Binti)!
    Schön mal wieder von Euch zu hören und zu sehen. Wirklich immer wieder eindrucksvoll, sowohl die Berichte als auch die Bilder!
    Weiterhin eine gute Zeit mit vielen schönen Eindrücken.
    – Ich mache die Reise ja gefahrlos quasi im Büro am Schreibtisch mit…….. 😉
    Bis denne
    Marcus

  4. Henrike Henrike

    Auch ich freue mich weiterhin sehr an Euren interessanten Fotos und Berichten, erzaehle vielen anderen davon und wuensche weiterhin gutes Gelingen; werde die naechsten Wochen selber viel unterwegs sein, wenn auch auf wesentlich konventionellere Art….. und wenn bei meinem Auto irgendwas nicht funktioniert bin ich auch leider vollkommen unfaehig, das selber wieder zu richten. Liebe Gruesse, Henrike

  5. Hallo Luki mogs,
    Heute sind wir die Fähre über die selenga gefahren,die ihr 2018 in maps.me eingetragen habt.
    Da wir auch einen Unimog fahren und wir an der faehranlegestelle 2 h warten mussten Bis ein lecker Pontons geschweißt würde,googelte Micha Mal eure Seite.
    Und da sind wir auf euren Bericht über Tuwa gestossen.
    Wir fahren in den nächsten 3 Wochen auch dorthin,
    Und ich fand’s interessant,dass auch ihr kaum Informationen über Tuwa gefunden habt.
    So freuen wir uns nun um so mehr euren possitiven Bericht zu lesen.
    Danke dafür.
    Wir hatten oder haben auch vor von dort wieder in den Altai zu reisen…warten wir’s Mal ab
    Lieben Gruss aus dem heissen Sibirien
    Sonja& Micha mit mogli

    • Lukimog Lukimog

      Hallöle zurück aus Köln. Wir wünschen euch alles Gute, schöne Reise noch, wenn ihr irgendwann in der Nähe von Köln seid, kommt vorbei.
      Nathi, Lisanne, Lukas, Binti & Lukimog

  6. Daniel Tank Daniel Tank

    Hallo liebe Leute,
    vielen Dank für euren tollen bericht!
    Macht richtig Laune, die ganzen emotionen zu fühlen.
    Nur die Mücken, ja das muß ein großes Problem sein.
    Vielen lieben Dank!
    Lieben Gruß
    Daniel

    • Lukimog Lukimog

      Freut uns, wenn Du Spaß an unserer Seite hast.
      Wir werden Anfang Oktober in Köln einen Vortrag halten und noch vielmehr Bilder, Filme und Geschichten mit euch teilen.
      Lukas

    • Lukimog Lukimog

      Wir freuen uns, wenn euch unsere Berichte Spaß machen.

      Am 5.10. werden wir hier in Köln wahrscheinlich im Rahmen eines kleinen Vortrages die Möglichkeit haben jedem den es interessiert noch viel mehr Bilder zeigen zu können.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: