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Weihnachten am Polarkreis

Mittlerweile sind drei Monate seit unserem letzten Eintrag hier vergangen und der Frühling steht gewaltig in den Startlöchern. Heute vor einem Jahr, am 3. April 2018, sind wir zu unserer großen Reise aufgebrochen und jetzt meldet sich schon wieder das Fernweh bei uns. Dabei haben wir noch nicht einmal von unserer Winterreise berichtet!

Aus diesem Grund wollen wir euch hiermit trotz der frühlingshaften Temperaturen auf eine Reise in die kalte Jahreszeit mitnehmen. Denn so wie aktuell stand der Lukimog, kurz nachdem wir aus Asien zurück waren, wieder auffordernd im Garten und wollte am liebsten wieder los rollen. Was hätten wir dagegen schon ausrichten können?!

Die Feiertage um Weihnachten und Neujahr herum boten uns dafür die beste Zeit, da ich so gut wie nichts in der Uni verpassen würde und für vier Wochen Urlaub nur wenig Urlaubstage auf der Arbeit aufbringen musste. Auch in der Fahrschule ist um diese Jahreszeit eher weniger los. 

Nach einem Besuch bei unserer Freundin Marlies in Hamburg sind wir über Dänemark und die Öresundbrücke nach Schweden gefahren. Entgegen unserer damaligen Skandinavienreise im Winter 2011 erwartete uns schon in Südschweden eine schöne Menge Schnee. Binti hatte große Freude daran und Lisanne hat fleißig laufen geübt. 

Grob geplant war, dass wir zunächst an der Ostseeküste Schwedens bis hinter den Polarkreis in den Norden fahren und dann durch das Landesinnere Schwedens auf der E10 über Kiruna nach Norwegen und dort bis an den äußersten Zipfel der Lofoten.

Hier standen wir Nachts auf dem Parkplatz des Nationalparks Skuleskogen in absoluter Ruhe. Am nächsten Morgen haben wir eine Wanderung durch tiefen Schnee zum nächsten Aussichtspunkt gemacht.

An die überwiegende Dunkelheit mussten wir uns ein paar Tage gewöhnen. Wir hatten viel zu lesen und ich zu arbeiten dabei, Lisanne einiges zu spielen sowie eine kuschelige Beleuchtung in ihrem „Zimmer“, Einkaufen und ähnliches wurde auf nach Sonnenuntergang verlegt und so konnte die Zeit mit Tageslicht ausgenutzt werden. 

Lecker essen stand bei uns selbstverständlich wie immer auch ganz oben auf der täglichen To-Do-Liste.

Direkt an der teilweise zugefrorenen Ostseeküste.

Rentiere lecken das Salz von der Straße.

Oder grüßen vom Straßenrand.

Das folgende Bild ist eins der wenigen von Durchquerung des Landesinneren Schwedens nach Norwegen. Es ist am nächsten Morgen entstanden nach einer etwas längeren Nacht.

Am vorherigen Nachmittag konnte unser Frostschutzanteil im Scheibenwischwasser den Temperaturen nicht mehr trotzen, wodurch uns die nochmals sinkenden Temperaturen erst bewusst wurden. Hatten wir es doch im Auto schön kuschelig warm. Irgendwann haben wir uns einen Standplatz für die Nacht gesucht, wir waren noch was draußen mit dem Schlitten, haben gegessen und sind dann ins Bett gegangen. Unser mitgebrachtes Gartenthermometer hat hartnäckig behauptet es seien -7° Grad, doch das konnten wir uns irgendwann nicht mehr vorstellen. Das Eis kroch langsam durch die Dichtungen und es musste draußen sehr kalt sein. Lukas war nervös und konnte nicht schlafen. Irgendwann bin ich mal auf die Idee gekommen mein Handy nach den Temperaturen an unserem aktuellen Standort zu fragen und laut dem waren es -26°Grad!

Lukas hatte Sorge, dass die Betriebsstoffe wie Öl und Diesel einfrieren also beschlossen wir mitten in der Nacht weiterzufahren. Die norwegische deutlich wärmere Küste war nicht weit entfernt.

Die Fahrt durch diese zugefrorene Landschaft mitten in der Nacht war sehr beeindruckend. Kaum vorstellbar, dass im Sommer an diesen Orten wieder Pflanzen wachsen und hier überhaupt jemand lebt. Alles steht stocksteif, nichts rührt sich.

Nach circa 200 km als wir die Berge überquert haben, waren es 20 Grad mehr und wir konnten beruhigt schlafen gehen. Als wir am nächsten Tag an der norwegischen Küste ankamen, waren es nochmal 8 Grad mehr und somit knapp über Null Grad.

Es ging sofort auf die Lofoten, wo wir auch den Weihnachtsabend verbrachten. Lisanne konnte unter anderem das Geschenk von ihrer heiß geliebten Tagesmutter Mieke auspacken. 

Auch auf den Lofoten gab es viel Schnee. 

Aber leider auch viel Regen wodurch wir nicht in den Genuss von Polarlichter kommen konnten, obwohl diverse Apps gute Bedingungen anzeigten, nur waren leider die Wolken im Weg. Trotzdem die Landschaft ist einfach atemberaubend.

Auf den folgenden Bildern standen wir an einem Platz, der nur über eine schwer vereiste Piste erreichbar war. 

Umso überraschter waren wir, dass plötzlich in der Dunkelheit Scheinwerfen auftauchten. Ein roter VW Bus. An Bord Maya und Jakob ebenfalls aus Deutschland, die ihre vorlesungsfreie Zeit ebenfalls in Schweden und Norwegen verbrachten. Nach einem gemeinsamen Abendessen beschlossen wir den nächsten Tag ebenfalls gemeinsam zu verbringen.

Lukas und Jakob war dann beim Angeln vom Boot aus sofort erfolgreich und aufgrund der Menge an Fisch mussten wir wohl oder übel die nächsten Tage auch miteinander verbringen… 😉

Wir konnten uns aber auch ein wenig leiden, sodass wir nach ein paar schönen Standplätzen auf den Lofoten, diese von Å i Lofoten nach Bodø am Festland mit der Fähre gemeinsam verließen, der Regen sollte nämlich noch weiter anhalten.

Die Überfahrt erfolgte sehr früh und etwas wellenlastig…

Von Bodø aus wollten wir eigentlich die norwegische Küste entlang in den Süden fahren aber dort war ebenfalls viel Regen vorhergesagt. Also ging es zurück ins Landesinnere nach Schweden. Wir wollten ja noch so gerne Polarlichter sehen.

Auf einem zugefrorenen See versuchten sich Lukas und Jakob im Eisangeln, waren aber nicht erfolgreich. Die Landschaft entschädigte jedoch durch ihre Schönheit!

Die ersten Elche sahen wir auf dem Inlandsvägen. Kaum welche wollten jedoch für ein Foto posieren. 

An diesem schönen See, einen Platz den Maya und Jakob von einer Sommerreise kannten, verbrachten wir gemeinsam Silvester. Es gab ein leckeres Abendessen inklusive selbst zubereiteten Schokopudding von Maya. Außerdem hatte ich ein Wachsorakel noch aus Deutschland mitgebracht, was zur allgemeinen Erheiterung beitrug und Lukas genervt aufstöhnen ließ. Neujahr verschliefen wir dann tatsächlich in einer super schöne Ruhe ohne stinkende Feuerwerkskörper.

Es ging weiter den Inlandsvägen Richtung Süden. Maya und Jakob mussten in zwei Tagen zur Fähre nach Südschweden, deswegen hatten wir am nächsten Stellplatz unseren letzten gemeinsamen Abend.

Es kam jedoch anders. Nach einem schönen Sonnenaufgang, die Sonne hatten wir einen Tag zuvor das erste mal wieder oberhalb des Horizonts gesehen (siehe letztes Bild), verabschiedeten wir uns voneinander und für Maya und Jakob ging es schnell, für uns etwas gemütlicher Richtung Süden. 

Dann passierte es. Ein Schwede mit sehr langem Anhänger überholte uns und scherte sehr knapp wieder ein. Lukas musste deswegen nach rechts ein Stück ausweichen. War ja noch genug Platz bis zur Fahrbahnbegrenzung durch diese Stäbe. Was wir nicht wussten, die Fahrbahn wird breiter geräumt als sie tatsächlich ist, sodass wir schon leicht in der Schräge standen. Lukas bremste ruhig ab und kam auch mit dem Vorderrad wieder aus dem Hang raus doch wir merkten schnell, dass wir mit dem Hinterrad wie durch einen Sog in die Mulde gezogen wurden. Wir wurden immer langsamer und standen schon fast als wir dann doch noch, wie in Zeitlupe, auf die Seite kippten. 

Uns ist gar nichts passiert. Wir konnten durch die Fahrertür rausklettern und Lukas ist zum nicht weit entfernten nächsten Haus gelaufen um Hilfe zu holen. Lisanne fand das ganze Theater sehr spannend. Binti hingegen fing sofort an zu heulen als Lukas wegrannte, sodass ein herbeifahrender Schwede auf seinem Ski-Doo dachte ein Wolf wäre verletzt worden.

Lukas kam mit Decken für Lisanne zurück und konnte einen Bagger organisieren. Maya und Jakob kamen auch zurück nachdem Lukas ihnen telefonisch berichtet hatte was passiert war.

Mit Hilfe der Winde, Maya und Jakob sowie des Baggers konnten wir uns wieder aufrichten. Im Innenraum des Lukimogs war eigentlich nichts passiert, hatte Lukas den Wagen ja extra geländegängig ausgebaut, sodass optimalerweise nichts herumfliegen konnte. Leider hatte sich jedoch eine Glühweinflasche befreien können und war an einem Fenster zerbrochen, dementsprechend lecker sah es im Auto aus. Außerdem war der Rumms zuviel für den Kühlschrank. Weitere Schäden waren ein Fenster, der Dämpfer eines anderen Fensters, die Tür und ein verzogener Rahmen. Aber wir konnten weiter fahren und uns ist nichts passiert. Wir verabschiedeten uns wieder von unseren lieben Helfern Maya und Jakob, die es nun wirklich eilig hatten und fuhren dann selber den beiden hinterher.

Durch den „Umfall“ waren wir etwas durch den Wind und fuhren an diesem Tag dann auch sehr viel, sodass wir abends wieder mit Maya und Jakob zusammenstanden. Die beiden hatten für Lisanne was zum Spielen, für Lukas Nüsschen und für mich ein alkoholfreies Bier gekauft sowie Schokolade. Vielen Dank an dieser Stelle euch beiden für die Aufheiterung und das ihr da wart!

Am nächsten Morgen waren Maya und Jakob schon weg und brausten zur Fähre nach Südschweden und wir machten uns dann auch auf den Weg Richtung Göteborg. Von dort nahmen wir ein paar Tage später die Fähre nach Frederikshavn. 

In Dänemark standen wir eine Nacht am Meer fuhren am nächsten Tag dann aber zügig weiter um im nassen Deutschland noch Lukas Tante, Onkel sowie Cousin und Cousine zu besuchen.

Trotz unseres Umfalls war dies eine sehr schöne Winterreise. Auf dem Heimweg nach Köln hielten wir noch in Düsseldorf bei der Firma Raschl GmbH, die auf das Richten von LKW Rahmen spezialisiert sind. Lukas fühlte sich direkt gut aufgehoben, sodass die Firma Raschl wenige Wochen später die Rahmenschäden am Lukimog wieder behoben haben.
An dieser Stelle einen großen Dank an die Firma Raschl für die professionelle Arbeit!!
Wir können diese Firma wärmstens empfehlen, falls jemand mal ähnliche Probleme hat.

Den anderen Schäden am Lukimog nimmt sich Lukas demnächst noch an und wir blicken schon zum Sommer, indem wir eventuell mit Maya und Jakob eine Reise machen wollen, sofern wir unsere Termine übereinander bekommen können 🙂

 

Nathi

 

P.S.: Wir haben regelmäßig Besuch aus China auf unserer Seite und würden zu gerne wissen wer das ist?!

6 Kommentare

  1. Marcus Marcus

    SUPER Bilder – SUPER Bericht !!
    Wie bisher eigentlich immer, aber immer wieder sehr schön zu lesen.
    Man fühlt sich (fast) als wäre man live dabei gewesen!
    Vielen Dank für die viele Mühe und die schönen Eindrücke dir ihr vermittelt.
    Solltet ihr mal drüber nachdenken, ob man das nicht zu einer echten Tätigkeit (Internet, Youtube, Blogger) ausbauen kann………?!?!
    LG
    Marcus

    • Lukimog Lukimog

      Danke 🙂

      Lukas hat doch schon einen YouTube-Beauty Kanal !

  2. Unglaublich, was Ihr so erlebt.
    Aber Ihr macht es richtig!
    Passt auf Euch auf – Grüsse – Jürgen Konrad

  3. Holle Holle

    Ein wahnsinnstoller Bericht mit herrlichen Landschaftsbildern und unglaublichen Erlebnissen! 😱 Glück im Unglück und alles wieder gemeistert! 👍😊 LG Holle

  4. Ulla Brehm Ulla Brehm

    Hallo Ihr Drei und Binti, wie schön, dass Ihr noch die Zeit gefunden habt, um uns alle über diese Reise zu berichten. Was habt Ihr alles erlebt!!! Wenn Lisanne nur ein paar all der herrlichen Eindrücke in ein paar Jahren „abrufen“ könnte, das wäre wunderbar! Denn die Fotos zeigen ja eine Winterlandschaft, wie sie schöner nicht sein kann, auch wenn der diesjährige Januar uns auch mal in Deutschland reich mit Schnee versorgte.
    Und was macht im Reigen dieser herrlichen Aufnahmen schon das Foto des umgekippten Lukimogs, zumal sich glücklicherweise niemand verletzte!! Die Aufnahmen auf den Lofoten sind ja besonders schön, die „Kleine Meerjungfrau“ wurde ganz schnell aus Stockholm auf einen Lofoten-Felsen gesetzt! Ein Glück, dass Lukas und Du die entstehenden kritischen Situationen immer wieder schnell bereinigen könnt. Zumal dieses Mal mit Maja und Jacob sowie weiteren hilfreichen Händen „Erste Hilfe“ schnell zur Stelle war!
    Ich ahne, dass Ihr bei weiteren Planungen seid! Denn wenn nicht „jetzt“ wann dann? Weiter so! (In vier Jahren beginnt die Schule)!!! Danke für den Bericht Nathi, alles Liebe und Gute, Ulla, Omi, Uri-Ulla (Lukas, war’s schnell genug)??

  5. Klaus Klaus

    Tolle Bilder mit viel Schnee und eine wunderschöne Landschaft.
    Im Juni 1988 sind wir auf unserer Hochzeitsreise auch durch Bodö gekommen.
    Euch weiterhin noch viele schöne Reisen mit netten Menschen.
    😘😘 Pa + Opa 😘😘

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