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Istanbul – flotter zu Fuß

Es war einmal in Kiew und zwar auf einer dreispurigen, stark befahrenen Hochstraße mitten in der Stadt. Damals mit dem Landy auf dem Weg in die Mongolei. Ich wollte seit einigen Tagen unbedingt auch zur Abwechslung mal den Landy fahren. Dass die Ukrainer eine etwas „rasantere“ Fahrweise, getreu dem Motto „Wer später bremst, ist länger schnell“ oder „Geschwindigkeit bringt Sicherheit“ haben, könnte ich schon händeln. Dachte ich.

Lukas lies sich jedoch nicht erweichen. Und plötzlich passierte vor uns etwas, dass wirklich Filmreif war. Wir waren gerade auf die Hochstraße eingebogen und befanden uns auf der Spur ganz rechts. Circa 200 Meter vor uns hatte jemand ganz spontan entschieden, er wolle doch lieber vor der Hochstraße rechts abbiegen. Die einzige logische Schlussfolgerung für dieses Dilemma ist natürlich: Rückwärtsgang einlegen und mit volle Karacho zur Ausfahrt zurücksetzen.

Während ich noch nicht ganz begriffen hatte, was da abging, nahm Lukas schon das Risiko in Kauf den knapp hinter uns auf der mittleren Spur Fahrenden zu touchieren, um dem Rückwärtsfahrenden auszuweichen. Der hinter uns hatte den Grund für Lukas Manöver nicht gesehen und war deswegen einfach nur genervt, das sich da jemand so dreist vor ihn setzte. Seine Reaktion: Hupen. Ab auf die rechte Spur und Vollgas, um uns schnell zu überholen und….

…natürlich dem Rückwärtsfahrenden ordentlich hinten drauf. Ob es Schwerverletze oder Tote gegeben hat, wissen wir nicht. Stehen bleiben war ohne selber einen Unfall zu riskieren nicht möglich.

Danach hatte ich keine Lust mehr zu fahren! Besonders da die Fahrweise mancher Verkehrsteilnehmer in Russland nicht wirklich besser wurde. Bei Stau auf dem Gehweg nach vorne, auf dem Standstreifen der Gegenspur überholen (ganz ganz links ) und die Lieblingsdisziplin: Überholen, weil vor einem einer langsamer ist. Ob frei ist, sieht man dann ja beim Überholen.

Wie die Überschrift des Beitrags sagt, geht es aber in diesem Beitrag nicht um die Ukraine oder Russland sondern eigentlich um Istanbul. Doch was auf den Straßen in Istanbul los ist, erinnerte mich an das beschriebene Erlebnis in Kiew. Autos fahren plötzlich rückwärts, Leute laufen Kreuz und quer, rote Ampeln sind maximal Empfehlungen, Zebrastreifen haben offensichtlich keine Bedeutung…

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Am ersten Tag dachten wir der Stau auf den Istanbuler Straßen rührt daher, da an diesem Tag hoher Besuch in der Stadt war, schnell haben wir jedoch erkannt (und wurde uns auch von diversen Gesprächspartner auf der Straße bestätigt), dass Stau zwischen 07:00 und 21:00 Uhr normal ist. Und wenn ich von Stau rede, meine ich nicht Stau, wie bei uns im Rheinland, sondern für 1 km sollte man schon 20 bis 30 Minuten einplanen!

Wie die Leute das jeden Tag aushalten, ist mir ein Rätsel. Aber die Verpflegung stimmt. Auf der Fahrbahn werden Wasser und Teilchen verkauft. Sogar auf der Autobahn!! Apropos Autobahn. Ein Stau auf der Autobahn kündigt sich dadurch an, dass nicht nur PKW sondern auch LKW und Busse plötzlich wenden und einem entgegen kommen, um dann schnell zurück zur nächsten Abfahrt zu gelangen. Wir haben sogar einen Gefahrguttransporter wenden sehen. Und ich habe mich immer gefragt, warum in der Fahrschule explizit erwähnt wird, dass Wenden auf der Autobahn verboten ist. Das ist doch eigentlich logisch…offensichtlich nicht.

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Da wir anfangs noch unserem Navi vertraut haben, wurden wir direkt durch die Altstadt geleitet. Lukas fand das sehr witzig. Es ging steil rauf und runter, links und rechts zwei Zentimeter Platz also alles gut. Bei mir lagen die Nerven eher blank und ich habe mich gefragt, ob wir da jemals wieder rauskommen oder ob wir wie ein Keil zwischen den Häusern stecken bleiben, gefolgt von einer elendig langen Stauwurst, die dazu ein Hupkonzert spielt.

Wir haben auf jeden Fall für viel Aufsehen gesorgt, da selbst die Müllwagen deutlich kleiner als der Lukimog sind.

Als wir abends sicher auf unserem Nachtplatz direkt unterhalb der blauen Moschee am Bosphorus standen (siehe Titelbild), konnte auch ich die Tour lachend als Lukimog-Promotion-Tour sehen. Aber nochmal brauche ich das nicht! ! !

Nathalie

2 Kommentare

  1. Ulla Brehm Ulla Brehm

    Hallo Ihr drei und Binti; wenn ich das so lese, dann frage ich mich, warum Ihr Binti nicht dressiert und einsetzt, damit sie Euch die Route freibellt? Lasst sie raus; könnte doch sein, dass sie als in die Stadt entlaufender Wolf gesehen wird, die die Verkäufer von süßen Getränken und Leckereien in die Wade „beißt“ (Art Wolperdinger); alle bleiben stehen, zücken ihr Handy, fotografieren und Ihr seid im Handumdrehen durch!!!!
    Alleweil eine Überlegung wert! In diesem Sinne: allzeit ein paar Zentimeter rechts und links, gute und unfallfreie Fahrt…Ulla, Oma, Uri (Uhu)

  2. Holle Sump Holle Sump

    Hallo Ihr Lieben, endlich kann ich Euch nun auch auf Eurer unglaublichen Tour verfolgen, nachdem ich den Link wiedergefunden habe! Ursprünglich war ja geplant, dass ich die ersten Wochen hätte life miterleben dürfen… es war noch ne Koje im Lukimog frei! Aber meine 9 Kinder u. so manch andere Aufgaben machen das unmöglich. Dazu die Vorstellung irgendwo in ein Flugzeug zu steigen, um wieder deutschen Boden unter den Füßen zu haben, …. bin bislang nur im Segelflieger
    geflogen… das hat mir gereicht!
    Ihr habt versucht, mich per Videotelefonat zu erreichen aber ich hab es nicht gehört.
    Macht viele Bilder von Eurer Reise die wir später bei Euch am heimischen Kamin anschauen wollen!
    Seid bitte auch etwas vorsichtig!
    Es ist wichtige Fracht an Bord!
    Ganz liebe Grüße von Holle

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